• Erinnerungen im Spiegel

    Als ich den letzten Beitrag zu Ende gebracht hatte, nervten mich die Links zu den Internetanbietern der Rosen und so nahm ich sie wieder heraus. Nur den “Granny-Link” verschob ich zu “Die Geschichte von Granny’s Rose” Als ich dann fertig war, überprüfte ich den Link und begann unsere Geschichte nochmal zu lesen – ich muss zugeben, mit einigem zeitlichen Abstand zum letzten Mal. Und als ich zum Ende kam, zum “Kapitel IX”, da las ich folgendes:

    Viele meiner Wünsche aus den letzten vier Jahrzehnten sind in Erfüllung gegangen. Als Kind war mein größter Wunsch einen Hund zu haben, heute sind es vier.

    Und plötzlich liefen die Tränen, denn keiner dieser vier Hunde, die ich in diesem Zitat meinte, war mehr am Leben. Und wieder kam mir dieses seltsame Gefühl, dass ich meine wunderschönen Erinnerungen an Smilla und Justin, an Mimi mit ihren vierzehn traumhafen Söhnen und an Faye mit ihren zehn Welpen in einer Art Spiegel sehe. Von vorne betrachtet sind es Erinnerungen an Zeiten voller Glück, aber im Spiegel sehe ich die Rückseiten der Erinnerungen und auf ihnen steht ein Wort: “Vorbei!”

    Und so hat alles Schöne im Leben eben auch etwas Herzzerreißendes. In Japan heißt dieses philosophische Konzept “物の哀れ”, transkribiert “Mono no aware” und beschreibt in Anlehnung an den Buddhismus die bittersüße Vergänglichkeit, kein Gefühl schwermütiger Trauer, sondern eine sanfte Wehmut, das Bewusstsein, dass diese Vergänglichkeit dazu führen muss, das Jetzt und Hier zu genießen, so sehr es geht.

    Jedes Jahr manifestiert sich diese Philosophie zum Hanami, dem Kirschblütenfest, wenn die Japaner die Kirschblüten (Sakura) betrachten und feiern, immer im Bewusstsein, dass sie bald vom Winde verweht sein werden.

    Spätestens als wir Faye verloren, zerbrach etwas in mir. Jussie war gegangen, Smilla war weg und Mimi war auch schon fast vierzehn. Als Mimi von uns ging, hielt ich mich an Nadira fest. Und natürlich sind da auch noch diese beiden Geschenke, die uns Faye und Mimi gemacht haben: Dori und Emmett. Und so ist mein Herz zwar gekittet, aber ich weiß nicht so recht, ob es je wieder heil sein wird.

    Ich würde nie an einen meiner Hunde den Anspruch stellen, dass ER oder SIE so sein sollte wie ein Vorgänger. Nadira ist weder Smilla noch Jussie und natürlich sind unsere beiden Kooiker ganz eigene Persönlichkeiten, auch wenn wir durch sie oft an Faye und Mimi erinnert werden.

    Aber es fühlt sich trotzdem irgendwie nicht richtig an, es ist nicht rund, mir fehlt etwas. Ich bin nicht komplett und weiß nicht, ob ich das je wieder sein werde. Aber das wird mich nicht daran hindern, jede Minute mit meinen Vierbeinern zu genießen, egal ob wir raufen, spielen, schmusen, oder mir – wie so oft – eine überaus feuchte Colliezunge in einem meiner Ohren steckt.

    War das zu wehmütig? War das zu philosophisch? Egal, ich bin ich und so sehe ich die Welt. Und wenn Euch der Text gefallen hat, dann schaut wieder rein. Ich habe das Gefühl, ich werde jetzt wieder öfter etwas schreiben. In diesem Sinne, gehabt Euch wohl, Euer

    Salli