• Ms. Jequill und Ms. Hyde?

    Ist sie nicht süß? Ja, das ist sie. Der Motor ihres Umdenfingerwicklers (ui, schon wieder ein Wort erfunden) dreht mit einigen zehntausend Umdrehungen, und sie wickelt dich schneller um den Finger, als du gucken kannst. Aber gibt es natürlich auch Schattenseiten? Die verborgene, dunkle Seite der Macht – oder das Böse, das plötzlich wie durch einen Zaubertrank zum Vorschein kommt, um mal ein wenig bei Robert Louis Stevenson zu klauen?

    Wenn so eine kleine Maus dich liebevoll anschaut und zum soundsovielten Male an ein und derselben Stelle auf deinen Perserteppich pieselt, ist nichts falsch oder böse an deinem Welpen. Wenn dieses wundersüße Etwas wiederholt ein Stück Tapete von der Wand reißt, den soundsovielten Blumentopf ausräumt und deine geliebten Vasen aus der Ming-Dynastie in Scherben verwandelt, dann macht das kleine Ding das nicht aus böser Absicht oder um dich zu ärgern.

    Auch bei unserer Maus ist nicht alles eitel Freude und Sonnenschein. Hier wird etwas angekaut, da wird etwas geklaut, und es geht auch nicht jedes Geschäft zuverlässig nach draußen. Es gibt leider immer noch so viele Menschen, die in solchen Fällen mit Erziehungsmethoden kommen, die eigentlich seit B. F. Skinner der Vergangenheit angehören sollten. Was soll es bringen, die Nase des Welpen in sein eigenes Pipi zu drücken? Immer noch haben Dogfluencer auf diversen Kanälen im Internet oder im Fernsehen eine viel zu hohe Deutungshoheit, die ihren Fähigkeiten oder ihrer Ausbildung, z. B. als Hundefriseur, nicht im Mindesten entsprechen dürfte.

    Alice, meine erste Colliehündin, kam vor fast 35 Jahren zu mir. Und heute bereue ich jede Grobheit, jeden dummen Gefühlsausbruch und jede dieser blödsinnigen Erziehungsmethoden. Ich kann mich bei Quillas Vorgängern nur zutiefst reumütig für all diese Fehler entschuldigen und zeigen, dass ich gelernt habe.

     

    Und so sperren wir gefährdete Tapetenecken ab, schützen Kabel und Blumentöpfe und schmeißen die Ming-Vasen auf den Müll (ist ja eh nur China-Schrott 🙂 ). Macht Quilla irgendwo im Wohnzimmer Pipi, wird der Fleck aufgesaugt, mit Enzymreiniger behandelt und der Hund am nächsten Tag am selben Platz gefüttert, denn kein Hund will sich dort entleeren, wo er frisst.

    Auch den anderen Hunden tut diese entspannte Haltung gut. Dori und Nadira entspannen wir zusätzlich noch etwas, indem wir ihnen eine passende Dosis Agnus Castus (zu viele Mutterinstinkte machen zu viel Stress) ins Futter tun, und Emmett beschützen wir ab und an ein wenig, wenn Quilla mal etwas zu heftig wird. Zu anderen Zeiten rennen die beiden wie die Wilden durch den Garten und auch Emmett hat dabei einen Heidenspaß. Dori putzt natürlich den Welpen – oder besser gesagt die Welpen, denn Nadira wird nach wie vor mitgereinigt. Draußen ist Dori für Quilla dann der Partner zum Schnuppern und Rumstromern.

    Aber nichts ist so eng, liebevoll und herzerfrischend wie das Verhältnis von Quilla und Nadira. Entweder sie balgen herum, nagen aneinander herum, kuscheln oder schlafen Rücken an Rücken, oder auch mal Quilla an den Bauch von Nadira gekuschelt. Bei all dem liegt eine große Liebe in der Luft und ich bin guter Dinge, dass das für immer so bleibt.

    Und so komme ich dann auch endlich mal wieder zum Schreiben, denn der Enzymreiniger steht mal für kurze Zeit im Schrank, Emmett muss gerade nicht beschützt werden und bevor jetzt doch noch etwas Unvorhergesehenes passiert: Macht’s gut, ich muss mal eben …

    „Quilla, lass das bitte!“